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Wetten… dass!?

Veröffentlicht: 7. Oktober 2012 in Allgemein
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Man muss es erst einmal sacken lassen, wenn quasi „historisches“ am Bildschirm passiert ist.
Gemeint ist die Ära von „Wetten… dass!?“ nach Thomas Gottschalk mit dem neuen Präsentator Markus
Lanz. Viel ist geschrieben worden in den letzten knapp 24h auf allen Kanälen. Wie gut und wie schlecht
die Sendung, der Moderator, die Gäste und die Wetten dann doch waren oder auch nicht waren.
Ich bilde mir hier mal eine eigene Meinung und Sicht auf die Dinge.
Nicht allzu oft habe ich in den letzten Jahren diese Sendung geschaut, und wenn, dann eher nicht mit
dem Anspruch, hier aufs Beste unterhalten zu werden. Thommi G. und die Gäste waren aber sicherlich
nicht der Teil, auf den ich gespannt gewartet habe, sondern eher auf die Wetten von Leuten aus dem
Volk, die evtl. mal etwas spektakuläres zu bieten haben. Vorbei sind scheinbar aber die Zeiten, wo
Schweizer (meist waren das die verrücktesten) irgendwelche Schwermaschinen (i.e. LKW) auf Biergläser
geparkt haben oder Buntstifte am Geschmack (nicht bzw. gefaked) erkannt haben. Aber seit dem Unfall in
der Sendung ist man vorsichtiger geworden.
Es ging diesmal auch weniger um den Inhalt als eher um die vermeintlich neue Präsentation mit dem neuen
Moderator Markus Lanz. Alle Augen (zumindest die von rund 14 Mio. Zuschauern) waren auf ihn und das
neue Konzept der Sendung gerichtet. Im Vorfeld erfuhr man nicht viel davon, somit waren auch die
Erwartungen nicht sehr hoch. Nur das „es ewas neues“ geben würde, das wusste man vorher.
Neu war neben dem Moderator, das Bühnenbild, eine drehbare Couch (von TV Total abgeschaut) und die
Tatsache, dass alle Promi-Gäste mit den Wettkandidaten gleich am Beginn der Sendung in die Halle
einmarschiert sind. Ein durchaus schönes Feature, wenngleich der Ton hier das erste Mal kollabierte.
Man hatte wohl nicht mit dem tosenden Applaus des Publikums gerechnet, als Herr Lanz die Ankündigungen
vorlas und obendrein auch noch diese nervige Hintergrundmusik alles im Keim erstickte. Zwangsläufig
musste man den Fernseher leiser drehen. Überhaupt war der Ton der absolute Schwachpunkt der Sendung.
Entweder waren die Mikros zu leise gedreht und man hörte nur die Saalakkustik oder die Nebengeräusche
oder die Musikbeiträge waren extrem laut. Das Bild in HD zeigte auch die kleinste Schuppe auf den
Schultern der in schwarz gekleideten Anzugträger (allen voran Karl Lagerfeld, dem der Kalk hier wohl
direkt aus der Rübe rieselte), jedoch war der Ton wohl ausschließlich auf Konsumenten mit Dolby
Digitalanlage in 5.1 ausgerichtet. In normalem Stereo aus den Boxen des TV-Geräts war es eine Zumutung.
Zum Inhalt: die Wetten waren durchaus gemischt und teilweise recht beeindruckend. Nervig war die
Kinderwette mit dem – mutmaßlich aspergischen – Jungen, der die Computerstimme der Berliner S-Bahn
imitierte und alle Stationen der Linien aufsagen konnte. Zuerst ganz witzig, dann aber nervend. Nur
gut, dass Co-Moderatorin Cindy aus Marzahn hier nur kurze Strecken gewählt hatte. Apropos Cindy: dies
sollte wohl der Counterpart zu Michele Hunziker sein. Optisch schon mal gelungen und durchaus mit
humorigen Einlagen ganz gut besetzt, war es doch zu offensichtlich, dass das Konzept dahinter zu
eindeutig war: sie sollte sich mit Markus Lanz ein wenig „dissen“, was zum Teil sehr peinlich war.
Alles in Anlehnung an den einen oder anderen Schlagabtausch zwischen Thomas Gottschalk und Olli
Dittrich bei den Außenwetten. Für diese hatte man den begnadeten Michael Kessler kurzum als Günter
Jauch geschickt. Wer die Sketche von Switch Reloaded mit ihm nicht kennt, der war hier sicher
überfordert. Noch lustiger wäre es gewesen, wenn Max Giermann als Markus Lanz (ebenfalls bei Switch
eine der besten Figuren) aufgetreten wäre.
Herr Lanz selbst hat alles gegeben, was möglich war. Ich denke, nach den mehr als 3 Stunden voller
Konzentration und Blicken auf alle Kandidaten, Promis und den Sendeablauf, wird der wohl heute richtig
ausgeschlafen haben. Es lief nicht alles rund, aber das kann man bei einer Livesendung auf dieser
Distanz auch nicht erwarten – und genau genommen will man auch nicht die Perfektion. Im Gegenteil – die
unvorhersehbaren Momente sind das Salz in der Suppe, die mit Pfeffer gewürzt werden, wenn die
Souverenität des Moderators darüber hinwegspielt. Dies gelang Lanz nicht wirklich, da mussten teilweise
die Gäste einspringen. Allen voran war dies wohl Wotan Wilke-Mögring, der bei der Hundehaar-Wette den
Alleinunterhalter mimte. So ist es auch den Gästen geschuldet, dass die Sendung nicht im kompletten
Chaos unterging, denn mit ihrer Disziplin und den Einsatz wurden die geplanten Wege und Abläufe
eingehalten bzw. locker wieder hergestellt.
Fazit: der Auftakt ist in sofern gelungen, als dass es keines Thomas Gottschalks bedarf, diese Sendung
zu bestreiten. Ob die Sendung nach wie vor eine Daseinberechtigung hat, darüber sollen sich andere
auslassen. Meiner Meinung nach ist der „Titan der Samstagsunterhaltung“ im ZDF würdig fortgesetzt und
kann nur noch besser werden.
Einen Vorschlag für die „Lanz-Challenge“ wäre da noch: das nächste mal bitte keinen spontanen
Publikumskandidaten, von dem man dann – wie jetzt – enttäuscht wird, sondern einfach mal den Gladiator
des deutschen Fernsehens hinzuziehen: Stefan Raab – der ist einiges gewohnt.

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